VISION Beachtennis-Spieler

» Alex Mingozzi wurde 1981 in Cotignola/Italien geboren. Seit 1998 spielt er Turniere und ist mittlerweile der erfolgreichste Spieler der Welt. Seit 2007 spielt er gemeinsam mit Matteo Marighella, 1979 in Ravenna/Italien geboren. Sie belegen in der Weltrangliste die vorderen Plätze. Die beiden haben 2010 in der Türkei die Europameisterschaften gewonnen und waren zudem bei den wichtigsten Beachtennis-Turnieren auf der ganzen Welt erfolgreich. Alex und Matteo leiten eine Beachtennis-Schule in ihrer Heimat und führen zudem ein Sportgeschäft in Imola, in dem sie auch ihre eigene Marke Decimal vertreiben.

Matteo Marighella und Alex Mingozzi

"Der Spaß kommt von ganz allein"

Interview im März 2011: Die italienischen Beachtennis-Profis Matteo Marighella, 31, und Alex Mingozzi, 29, über Fußball, die Zukunft der Sportart Beachtennis in Deutschland und den Traum von den Olympischen Spielen.

Alex, Matteo, wann wart Ihr zuletzt auf einem Tennisplatz?

Alex Mingozzi: Oh je, das ist schon eine ganze Weile her. Mein Niveau ist ziemlich schlecht, es gibt definitiv Sportarten, die ich besser kann.
Matteo Marighella: Tennis ist ein toller Sport, aber für uns ist er ziemlich schwierig. Sagen wir es so: Wenn wir mal spielen, macht es schon Spaß.

Bei uns in Deutschland kommen die meisten Spieler vom Tennis zum Beachtennis. Mit welcher Sportart habt Ihr angefangen?

Alex Mingozzi: Ich habe mit Fußball und Volleyball angefangen, bevor ich mit 13 Jahren zum Beachtennis gekommen bin, anfangs haben wir mit Holzbrettern am Strand gespielt.
Matteo Marighella: Ich habe auch mit Fußball angefangen, bin im Alter von 14 Jahren zum Beachtennis gewechselt.

In Italien, vor allem an der nördlichen Adriaküste, ist Beachtennis eine sehr populäre Sportart. Kinder starten heute oft mit Beachtennis. Wie erklärt Ihr Euch diesen enormen Zulauf?

Alex Mingozzi: Beachtennis ist sehr leicht zu erlenen, macht Spaß und die Verletzungsgefahr ist sehr gering. Beachtennis wird noch populärer werden in Italien und in der Welt.
Matteo Marighella: Der Zulauf ist in der Tat beachtlich, aber für mich keine große Überraschung. Beachtennis ist ein einfaches Spiel und für Kinder und Jugendliche ebenso unterhaltsam wie für Erwachsene oder auch Senioren.

Mittlerweile seid Ihr Vorbilder für die Kinder und Jugendlichen geworden, gebt Autogramme bei Turnieren und im Winter fast täglich Trainerstunden. Wie geht Ihr mit dieser Vorbildfunktion um?

Matteo Marighella: Das ist eine Sache, die uns einerseits sehr freut, die uns aber auf dem Platz auch eine gewisse Verantwortung gibt, den Kindern ein gutes Beispiel zu sein. Wir tun es gern.
Alex Mingozzi: Wir achten auf dem Platz und außerhalb immer aufs Benehmen, die Kinder folgen uns und werden später einmal unseren Platz einnehmen.

Da haben die Kinder aber noch einen weiten Weg vor sich. Ihr seid das weltbeste Doppel, habt in diesem Jahr schon drei große Turniere gewonnen ...

Alex Mingozzi: Aber wir haben ja auch mal klein angefangen. Und ich sehe bei uns im Training schon viele Talente. Der Nachwuchs ist da bei uns.

Welche Tipps könnt Ihr Kindern in Deutschland geben, damit sie Spaß haben beim Beachtennis?

Alex Mingozzi: Einfach mal ausprobieren und regelmäßig spielen - der Spaß kommt von ganz allein.

Nur die Spieler, die kommen bei uns in Deutschland nicht von ganz allein zum Beachtennis. Was können wir tun, um diese Sportart voranzubringen?

Matteo Marighella: Ich halte es für unabdingbar, ständige Beachtennis-Felder zu haben. Ihr könntet in den Vereinen viel bewegen, wenn Ihr regelmäßig Workshops, Turniere und Beachtennis-Schulen für Kinder und Jugendliche anbietet.
Alex Mingozzi: Auf alle Fälle sind die Beachfelder wichtig. Ihr könntet eine Turnierserie in Deutschland starten. Das Turnier in der Porsche-Arena ist sehr wichtig für einen Schritt nach vorn.

Du sprichst den Porsche Beachtennis Grand Prix an, den wir vom 21. bis 24. April zum ersten Mal ausrichten. Ihr wart zuletzt auf La Reunion, auf Mauritius und in Miami. Jetzt kommt Ihr nach Fellbach und Stuttgart. Welche Erwartungen habt Ihr an dieses Turnier?

Matteo Marighella: Ich freue mich sehr, wieder nach Deutschland zu kommen. Und die Tatsache, dass dieses Beachturnier im Rahmen des bekannten und bedeutenden Porsche Tennis Grand Prix stattfindet, ist fantastisch.
Alex Mingozzi: Das wird ein großes Turnier werden. Ich habe gehört, dass viele gute Spieler aus ganz Europa teilnehmen werden. Und wenn Du und Deine Freunde vom Beachclub2010 das organisieren, ist der Erfolg garantiert.

Ihr wart ja schon mal in Deutschland beim Beachtennis. 2003 bei den deutschen Mannschafts-Meisterschaften in Öhringen. Welche Erinnerungen habt Ihr daran?

Matteo Marighella: Ich erinnere mich sehr gern an dieses Turnier. Wir hatten gerade die Weltmeisterschaften gespielt und sind anschließend nach Deutschland gekommen, wo wir ein tolles Turnier miterleben durften. Es war nur ein bisschen seltsam für uns, weil Ihr damals noch mit Tennisschlägern gespielt habt.
Alex Mingozzi: Wir hatten wirklich viel Spaß. Ich liebe Deutschland, besuche öfters die Thermen in Erding. Ich kann mich erinnern, dass es ziemlich kalt war bei dem Turnier und dass wir nach den Spielen viel gefeiert haben.

Seitdem hat sich viel verändert: Bei uns wird auch mit den sogenannten Paddle-Schlägern gespielt, und die ITF organisiert Beachtennis unter ihrem Dach. Wo seht Ihr die Zukunft dieses Sports?

Alex Mingozzi: Der Schritt der ITF war sehr wichtig, es gibt jetzt einheitliche Regeln und eine einzige Weltrangliste. Wir sind froh über die Entwicklung, auch wenn wir alle gemeinsam noch einiges verbessern können.

Was kann der TV Oeffingen mit seiner neuen Beachanlage verbessern? Wie kann er seine Mitglieder für Beachtennis begeistern und neue Mitglieder gewinnen?

Alex Mingozzi: Turniere organisieren, auch im Mixed, eine vereinsinterne Rangliste erstellen und kontinuierlich Kurse anbieten. Den Leuten viele verschiedene Möglichkeiten bieten, an Beachtennis-Veranstaltungen teilzunehmen.

Welches waren Eure schönsten Erlebnisse beim Beachtennis? Was möchtet Ihr gern noch erleben?

Alex Mingozzi: Ich werde mich immer an meinen ersten Sieg in New York erinnern - das war unglaublich. Aber auch die ganzen Jahre gemeinsam mit Matteo, wir haben in dieser Zeit weniger als zehn Spiele verloren.
Matteo Marighella: Es ist schwierig, ein spezielles Erlebnis zu nennen. Jedes Turnier, jede Reise erlaubt es uns, neue Orte und neue Leute kennenzulernen. Was ich gern noch erleben würde? Die Olympischen Spiele!

Seit 2007 spielt Ihr regelmäßig zusammen. Könnt Ihr noch Schwächen ausmachen beim Partner?

Matteo Marighella: Das ist schwierig, er ist ein kompletter Spieler. Der Return könnte noch etwas besser werden ...
Alex Mingozzi: Das sagst Du jetzt nur, weil Du weißt, dass keiner so gut verteidigt wie Du. (lacht) Das ist ja aber unser großes Plus, dass wir uns so gut ergänzen. Vielleicht schlägt er nicht ganz so gut auf wie ich, aber beim Return ist er wirklich der Beste.

Aber nicht nur auf dem Platz versteht Ihr Euch gut, auch außerhalb seid Ihr gut befreundet, unternehmt viel miteinander.

Alex Mingozzi: Ja, das stimmt, wir sind immer gemeinsam unterwegs. Wir haben viel zusammen erlebt und werden noch Vieles zusammen erleben. Matteo ist wirklich zuverlässig und ein großartiger Freund.
Matteo Marighella: Jetzt machst Du mich aber verlegen ... Aber Du hast ja recht, wir sind wirklich ständig zusammen auf Tour, wir kennen uns ja auch schon eine Ewigkeit. Eine wirklich positive Seite bei Alex ist, dass er nie genug kriegen kann vom Gewinnen und immer besser werden möchte. Eine Eigenschaft, die ihn beim Beachtennis dorthin gebracht hat, wo er jetzt steht.